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09.11.2017

Wort zum Sonntag von U. Dörner-Bramer für den 29. Okt. 2017

Ursula Dörner-Bramer, Pastoralreferentin in der kath. Pfarrei St. Petrus Herborn

Als Mitarbeiterin der Kirche lebe ich in zwei Welten. In meinem beruflichen Umfeld gibt es Menschen, denen wichtig ist, was Gott sagt. In meinem privaten Umfeld sind alle der Meinung, dass es ihnen gut gehe und meinen, dass sie keinen Gott brauchen. Was gut und richtig ist, wissen sie selbst am besten und haben kein Interesse daran, zu warten, dass Gott sich ihnen zuwendet. Und immer kommt die Frage, warum mir Gott wichtig ist.

Ich versuche mich dann immer wie Jesus als Geschichtenerzähler:

Als ich gestern über die Autobahn fuhr, sah ich weit hinten im Rückspiegel ein Blaulicht. Das passte mir gar nicht. Ich hatte es eilig. Ich fühlte mich schon beim Anblick des Blaulichts total ausgebremst. Da ich vor zwei Jahren erleben musste, dass jemand verstarb, weil die Rettungskräfte nicht zum Unfallort durchkamen, fuhr ich aber trotzdem auf die rechte Spur.

Irritiert habe ich immer wieder in den Rückspiegel geschaut, schließlich fuhr ich 80 km/h hinter einem LKW her, aber das Licht kam gefühlt nicht näher. Als es dann doch näher kam, sah ich, dass ganz viele so wichtige Menschen wie ich einer bin, mit Last-Minute-Terminen unterwegs sein mussten. Denn ständig scherten Autos vor dem RTW auf die linke Spur – selbst LKWs mussten noch überholen.

In dem Moment glaube ich nicht an die Wirksamkeit von Bußgeldkatalogen. In dem Moment bin ich froh, dass ich geliebtes und anerkanntes Kind Gottes bin, das seine Wichtigkeit nicht dadurch unter Beweis stellen muss, vor einem anderen schneller zu sein bzw. das Leben eines anderen zu beenden. Und ich glaube, dass wir spüren müssen, dass Gott uns liebt. Deswegen neige ich dazu – als Abbild Gottes – andere mit Lachen und Süßigkeiten zu überschütten, damit sie ihre Wichtigkeit auch dann spüren, wenn sie andere an sich vorbeiziehen lassen.