Wort zum Sonntag für den 10. Juli 2022
„Was muss ich tun, um das Leben bei Gott zu gewinnen?“, so fragte ich meine Schüler. Die Antworten waren vielfältig: Ich soll hilfsbereit sein, mich um den anderen kümmern, nicht böse sein, ich soll mich nicht schlagen - Das waren die spontanen Antworten der jungen Menschen.
Das Neue Testament drückt die Antwort auf diese Frage ganz einfach aus: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.
Das wunderbare Gleichnis vom Barmherzigen Samariter gibt uns Antwort auf die Frage, was Gottes- und Nächstenliebe bedeuten.
Behandle deine Mitmenschen so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest - unabhängig von Hautfarbe, Gesundheit, sozialem Status, ob er mir ein Freund oder Feind ist oder seiner politischen Gesinnung. Jeder, der mir begegnet, ist mein Nächster. Darin liegt die Größe meines Handelns: Dass ich einem Menschen die Hilfe und Unterstützung zukommen lasse, die er gerade und in diesem Moment braucht.
Aber wo bleibt die Gottesliebe – so fragen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser. Diese Frage hat Jesus ganz einfach beantwortet: Alles, was ihr einem Menschen egal welcher Hautfarbe, ob gesund oder krank, unabhängig von sozialem Status, ob Freund oder Feind unabhängig von seiner politischen Gesinnung, Gutes tut, das tut ihr auch für mich. Gottes- und Nächstenliebe sind nicht zu trennen. Wer Gott liebt, wird auch seinen Nächsten lieben. Und wer seinem Nächsten Gutes tut, der tut dies, bewusst oder unbewusst, auch für Gott.
„So einfach soll das sein?“, fragen Sie sich vielleicht.
Ich denke nicht, dass es einfach ist, jeden Menschen einfach als Mensch anzunehmen und ihm ohne Vorbehalte zu begegnen.
Vielleicht liegt gerade darin die größte Herausforderung für das Leben mit und bei Gott, in jedem Menschen Gott zu erkennen und ihm ein „Nächster“ zu sein.
Maria Theresia Becker, Bezirksreferentin in Lahn-Dill-Eder
13.07.2022