Liebe Leserinnen und Leser,
Diesen Artikel schreibe ich Ihnen am frühen Nachmittag gegen halb vier – während normalerweise um diese Zeit die Sonne durchs Fenster scheint, muss ich jetzt schon bald das Licht anschalten – wir leben in einer sehr dunklen Jahreszeit!
Irgendwie passt das zu allem, was wir täglich hören, sehen und lesen müssen – Krankenhäuser sind überfüllt, Menschen haben Angst, sind müde oder wütend und niemand weiß genau, wie das alles weitergehen soll. Dazu kommen viele andere Krisen. Hat Dunkelheit die Welt überschattet?
Die Christenheit setzt dem in einer sehr alten Tradition etwas entgegen: Gerade jetzt erwarten die Christen die Ankunft des Herrn. Adventus Domini – es ist Advent geworden! Die Texte, die die Zeit der Geburt Jesu beschreiben, greifen auch die Dunkelheit jener Zeit auf. Die Menschen stöhnten unter dem Joch der römischen Besatzung, unter Armut, Steuern, Krankheiten und Korruption – auch bis in die höchsten Kreise der damaligen Geistlichkeit hinein. Doch dann geschieht dort, wo niemand etwas erwartet hat, ein Wunder: Menschen der damaligen Unterschicht, den Hirten auf freiem Feld, wird eine große Freude verkündet – der Retter soll geboren werden, dort draußen vor den Toren der Stadt. Licht durchbricht das Dunkel – die Welt ist nicht verloren!
Nicht umsonst hat die frühe Christenheit das Weihnachtsfest auf die Tage nach der Wintersonnenwende gelegt – die Tage werden nun wieder heller! Das Licht besiegt die Dunkelheit. Aber: Nicht nur damals ist mit Jesus der Retter geboren – nein, dieser Retter will auch heute neu geboren werden im Herzen aller Menschen.
Das schenkt Hoffnung. Denn so sehe ich auf einmal wieder Licht: Da sind so viele Menschen auf den Straßen, die freundlich einen Gruß erwidern oder sich über ein gutes Wort freuen. Da sind Menschen, die Andere sehen, helfen, zupacken, Herzenswärme schenken. Ich spüre: Wo Vorsicht und Rücksicht herrschen, da ist auch Platz für Zuversicht!
Und so frage ich mich: Wem kannst Du Licht schenken, damit auch Du Dich selbst in eine Krippe verwandelst und Christus auch in Dir neu geboren werden kann?
In diesem Sinne wünscht Ihnen allen eine frohe und gesegnete Adventszeit
Ihr Christian Fahl, Pfarrer von Herz Jesu Dillenburg und St. Petrus, Herborn