Jesus steht vor seinem Richter Pilatus. Dieser fragt ihn: „Bist du nun ein König, wie es die Leute sagen, oder nicht?“ Und Jesus stellt klar: „Du sagst es, ich bin ein König.“ „Das ist schon merkwürdig“, wird sich Pilatus gedacht haben. Das ist alles andere als das, was ich mir unter einem König vorstelle.“ Pilatus erwartet etwas anderes. Für ihn ist ein König mächtig und gewohnt, Befehle zu erteilen, die blind befolgt werden. In seiner Vorstellung kommt er mit Pomp und Reichtum daher, lässt sich hofieren und bedienen, beutet die Armen aus und ist auf seinen Vorteil bedacht. Dieser Jesus entspricht überhaupt nicht seinen Vorstellungen – im Gegenteil. Dieser Jesus ist gekommen, nicht um zu herrschen, sondern um zu dienen. Er sorgt sich um die, die krank und ausgestoßen sind. Er kümmert sich um die, die arm und missachtet sind. Er tröstet und ermutigt all diejenigen, die schwere Lasten zu tragen haben. Er bietet den Menschen seine Begleitung an, besonders wenn der Lebensweg steinig und steil ist.
Das Königreich Jesu hat eine andere Weltordnung. Sein Königtum hat andere Wertmaßstäbe: andere im Blick und im Herzen tragen, dem Nächsten helfend unter die Arme zu greifen, ihm Leben ermöglichen.
Jesus war sich nicht zu schade, dort zu helfen wo Not war und sich die Finger schmutzig zu machen. Der Dienst am Nächsten war seine Handlungsmaxime. Das zeichnet sein König-Sein aus.
Solch ein Königtum brauchen wir unbedingt, in unserer Gesellschaft und auch in meiner Kirche.
Am heutigen Sonntag feiern wir das Fest Christkönig, entstanden 1925, als die Zeit der kommunistischen und faschistischen Diktaturen begann. Christus als König stellt einen deutlichen Kontrast zu den zerstörerischen und menschenverachtenden Mächten dar.
Er mahnt uns zu Menschlichkeit und Solidarität. Er lädt uns ein, sich an ihm zu orientieren und mitzubauen an einer Gesellschaft, die Leben schenkt.
Maria Theresia Becker, Bezirksreferentin Lahn-Dill-Eder