Liebe Leserinnen und Leser,
das heutige Evangelium berichtet davon, dass Jesus Wunder tut, er heilt Menschen. Immer wieder wird in der Bibel berichtet, dass Wunder geschehen. Wenn Gott allmächtig ist, dann kann er auch Wunder tun, auch in unserer Zeit. Aber müssen es immer die großen Wunder sein, können nicht auch die kleinen Wunder die Welt verändern?
Wenn wir genau hinschauen, dann geschehen immer wieder kleine Dinge, mit denen wir nicht gerechnet hätten oder die wir für ganz ausgeschlossen gehalten haben. Und manchmal glaube ich, dass das kein Zufall ist; dass da mehr dahintersteckt. Gott ist bei uns. Und er kann uns helfen.
Die Frau in dem heutigen Evangelium glaubt, dass eine Berührung ausreicht, um geheilt zu werden. Können wir heute Gott berühren, oder uns von ihm berühren lassen? Ich glaube, dass das möglich ist. Gott ist Liebe, Vertrauen, Güte. Sind diese Gefühle nicht auch Berührungen von Gott? Und können wir Gott nicht auch manchmal spüren, wenn wir tief in Gedanken versunken sind? Wenn wir beten?
Ich glaube, dass es wichtig ist, mehr auf die kleinen Dinge zu achten, zu sehen, wie eine Blume blüht oder wie ein Vogel zwitschert. Vielleicht erfreuen wir uns an einem Morgenkaffee. Und wenn dieser Kaffee heute besonders gut duftet, vielleicht ist das eine kleine Berührung von Gott, einfach, weil Sonntag ist.
Ich habe eine naturwissenschaftliche Ausbildung gemacht. Dabei lernt man, dass viele Dinge in der Natur zu 99,9% exakt voraussagbar sind. Man lernt aber auch, dass es eine kleine Anzahl an Fällen gibt, in denen etwas ganz anderes passiert. Das ist in der Chemie so, in der Physik und der Biologie, das ist in unserem ganzen Leben so. In den Naturwissenschaften lernt man, diese Ausnahmen auszublenden, sie nicht zu beachten. Vielleicht steht es einem Seelsorger aber ganz gut an, gerade auf diese kleinen Abweichungen zu achten, genau dort Gott zu vermuten.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie Gottes Berührung spüren, heute und in ihrem Leben.
Ihr Kaplan Mirko Millich