Liebe Leserinnen und Leser
Im Dezember erhielt ich ein nettes Geschenk von einem freikirchlichen Mitstreiter aus dem Hessentagteam der Kirchen: Ein aus Stahl geschnittenes Wort. Hoffnung. Ich fand es echt nett und klebte es neben meinen Monitor im Büro. Seitdem ist ein Vierteljahr vergangen mit Ereignissen, die meine Vorstellungskraft sprengen. Wenn ich an die heißen Monate denke und was sie, gepaart mit dem Krieg in der „Kornkammer der Erde“, für die Menschen in den ärmeren Ländern auf diesem Planeten bedeuten werden, dann wird mir Angst und Bange. Die Welt gerät an so vielen Stellen aus den Fugen. Und wieder fällt mein Blick auf mein stählernes Weihnachtsgeschenk. Hoffnung. Ich stelle fest, es ist mehr, als einfach nur „nett“. Es bedeutet mir mehr und ich bin froh, dass ich es habe. Immer im Blick, wenn ich etwas am PC mache. Denn meine Hoffnung steht aktuell unter Dauerbeschuss. Sie ist nicht immer so makellos glänzend und so robust, wie dieses kleine Geschenk in meinem Büro. Sie lässt Federn, sie wird gedämpft, wenn ich die Bilder der Zerstörung oder die Zahl der täglichen Coronatoten sehe. Hoffnung – wird mir bewusst, ist kein Selbstläufer. Ein kurzer Blick in die Bibel reicht, mir zu sagen, dass das aber in Ordnung ist. Selbst starker Glaube erfährt Rückschläge. Angst lähmt. Was also kann man tun, wenn die Hoffnung bröckelt?
Mir hilft, zunächst zu akzeptieren, wie die Situation derzeit ist. Alles, was negativ belastet, muss raus. Hilfreich kann sein, mit jemandem zu reden, oder den Frust einfach aufzuschreiben. Wichtig sind auch die schönen Dinge, d.h. sich selbst kleine Glücksmomente zu schenken. Was macht mir Freude? Umgeben Sie sich mit positiven Menschen, die Ihnen Kraft schenken und Sie ermutigen. Vielleicht erinnern Sie sich auch an schon gemeisterte Herausforderungen. Wo ist Ihnen etwas gelungen? Und wo können Sie handeln? Vielleicht etwas spenden? Sich ehrenamtlich beteiligen? Egal was.
Geben wir die Hoffnung nicht auf. Manchmal braucht sie etwas Pflege.
Mit besten Wünschen
Michael Wieczorek
Pastoralreferent in Katholisch an der Dill