Liebe Leserinnen und Leser
Schon zum zweiten Mal – bedingt durch die Corona-Pandemie – begehen wir die Feier vom Leiden und Sterben Christi und das Osterfest so ganz anders, als wir es bisher gewohnt waren. Eine Stimmung der Müdigkeit, Ratlosigkeit und Frustration macht sich breit. Man ist nervös und gereizt; man ist es leid und mag nicht mehr. Diese Situation zu bewältigen ist eine große Herausforderung für uns alle. Und da sind auch Anstrengungen, das Leid zu tragen, zu ertragen und zu bewältigen und so durch diese Pandemie heil hindurch zu kommen.
Wir bewegen uns zwischen Hoffen und Bangen. Hoffnung auf die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Viren. Bangen um das Fertigwerden mit den sich verändernden Mutanten und den damit verbundenen lange andauernden Konsequenzen. Das ist eine Passionszeit.
Das Leiden muss getragen werden als Einzelne und als Gemeinschaft, damit es vorübergeht. Die Menschen in Myanmar, die sich für Freiheit und Demokratie einsetzen und dabei das Leid tragen und Leben geben; die Bauern in Indien, die seit über vier Monaten für ein gerechtes, gesichertes Leben und faire Preise streiken, tragen das Leid für die kommende Generation.
Jesus hat das Leid, das Kreuz getragen und durch seinen Tod und seine Auferstehung die Menschen erlöst. Daher ist das Kreuz, das „für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit“ (1 Kor 1,23) sei, das Zeichen des Heils für die Christen geworden. Erlösung heißt hier Sünde und Schuld überwinden - durch Transparenz und Bekenntnis; in einer guten Gemeinschaft mit Gott und den Menschen leben und all seine Hoffnung auf Gott setzen können.
Manchmal kann ich dieses Erlöst-Sein in meinem eigenem Leben erfahren. Manchmal erlebe ich, dass mit dem Tod und der Auferstehung Jesu ist noch lange nicht alles geschafft ist. Menschen tun weiter Böses, verletzen einander, vergessen Gott, von dem alles Gute kommt. Das Wissen, dass Jesus Christus das Kreuz mit uns und für uns getragen hat, hält uns und führt uns voran. Im Tragen besteht das Christsein, so Dietrich Bonhoeffer.
Verunsicherung und Bedrohung, Chaos und Tod werden nicht siegen, vielmehr wird uns nach dem Dunkel der Nacht, nach dem Karfreitag, ein neuer Ostermorgen im strahlenden Licht geschenkt werden. Schaue dein Kreuz als ein österlicher Mensch an. Erfülle dein Herz mit seinem Licht.
Pater Paulose Chatheli (Isch)
Priesterliche Mitarbeiter
Katholische Pfarrei St. Petrus Herborn